Und
plötzlich kam die Angst!
Eine Woche vor Beginn des 3.
Semester wollten ich und meine Freundin noch eine Woche in
die Ferien. Am Abend vor der Abreise, lag ich im Bett und
plötzlich überkam mich die Angst. Ich hatte Panik:
Herzklopfen, Schweissausbrüche, wirre Gedanken und einfach
nur noch Angst. Ich dachte dass ich nun durchdrehen werde.
Viele Sorgen begleiteten mich die vergangenen 2. Semester.
Schaffe ich das Studium, wie soll ich es finanzieren, im
Zivilschutz muss ich weitermachen, es wird mir alles zu
viel...
Das war für mich der Entscheid dass ich endlich etwas
dagegen machen musste! Die Art und Weise wie ich mit
Problemen umging, habe ich während meiner Kindheit schon
angelernt. Doch allem Anschein nach, war dass die Falsche.
Bis zu diesem Zeitpunkt schämte ich mich und hatte Angst
davor einen Psychiater oder Psychologen anzurufen, da ich
dachte dass dort nur Menschen hin gehen, welche
Schizophren, Paranoid oder andere an anderen psychischen
Krankheiten leiden. Aber ich musste etwas dagegen tun!!!
Also nahm ich dass grosse Telefonbuch und rief alle
Psychiater im Umkreis von etwa 15 Kilometer an, bis
schliesslich einer Zeit für mich hatte.
Dann die erste Sitzung. Es kam ganz anders als erwartet.
Innert kürzester Zeit hatte ich das Gefühl dass er mich
versteht und mir helfen konnte. Guten Mutes ging ich also
in die nächsten paar Sitzungen. Die Gespräche wurden
vertieft und man näherte sich dem Kernproblem. Mittlerweile
war es Weihnachtszeit und die nächsten Prüfungen standen
vor der Tür. Da ich mich gut fühlte, beschloss ich die
Therapie auf Eis zu legen und nach den Prüfungen weiter zu
schauen. Und dass war einer der grössten Fehler! Im April
begann ich dann eine Verhaltenstherapie und nur einige
Wochen darauf, kam der nächste Zusammenbruch. Wieder
Panikattacken, das Gefühl verrückt zu werden und es nicht
mehr zu schaffen... Ich dachte wann hört das endlich auf
oder muss ich ewig damit leben. Entgegen meinen
Erwartungen, brachte die Therapie schon sehr bald grosse
Erfolge mit sich. Die Diagnose Angst-/Zwangsstörung hat
sehr einschüchternd auf mich gewirkt und jedes mal diese
Worte machten mir noch mehr Angst.
Die Lösung dafür war meines Erachtens: Entweder man lässt
sich von der Tatsache dass man ein Problem hat weiter
einschüchtern oder man konfrontiert sich mit dieser und
sammelt Fakten und Wissen. Ihr könnt euch mein Problem wie
eine Halskette vorstellen. Das bisherige Wissen über mein
Problem stellen die Perlen dar. Doch was mir fehlte war die
Kette die diese Perlen verbindet. Ich versuchte die
Zusammenhänge aufzudecken und mehr über sie zu erfahren.
Stück für Stück machte alles mehr Sinn und ich konnte immer
besser auf mein Problem eingehen und damit umgehen.
Ach ja, die Medikamente habe ich vergessen. Auch auf mich
wirkte die Tatsache Antidepressiva zu nehmen sehr
erschreckend, da ich dachte dass ich jetzt ein "Psycho"
bin. Doch warum nicht, ich meine wenn man Schmerzen nach
einer Operation hat, dann nimmt man auch etwas dagegen.
Nichts ist für die Ewigkeit, auch nicht die Einnahme von
solchen Medikamenten. Sie können einen unterstützen, aber
sie lösen nicht die Ursache für die Probleme.
Denkt daran: Es kann ja nicht immer regnen!